November 22, 2013

WELCOME TO JUMPGATE EVOLUTION

by JollyJumper
Categories: Sprung nach Vorn
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Ein großes Hallo meinen Lesern!

Mein Blog hat kein festes Thema, vielmehr werde ich – getreu der alten Blog-Idee eines Onlinetagebuchs – immer mal wieder über Interessantes und Kurioses aus meinem Alltag berichten. Und auch wenn sich das seltsam anhören mag: Ich erlebe ziemlich viel, jeden Tag und oft genug auch so manche Nacht. Beruflich bin ich nämlich in einer Nische tätig, einem Bereich, den es nur noch selten gibt und der doch für so manches Unternehmen und für jede Behörde sowieso ziemlich wichtig ist: Ich arbeite als Pförtner in einem Gesundheitsministerium eines Bundeslandes. Nun, das ist auf den ersten Blick vielleicht langweilig, im Alltag jedoch eine ungemein spannende Sache. Ich sehe tagtäglich Minister, Staatssekretäre, bekannte Führungsleute aus Politik und Wirtschaft und wenn wir dann mal so ein Ereignis wie die Schweinegrippe haben, ist hier echt was los. Pförtner sein heisst heute auch nicht mehr, die Schranke zu heben und zu senken und ansonsten Kaffee zu trinken! Auf Arbeit bin ich sehr viel in Bewegung, ich muss das Gelände und den Eingangsbereich beobachten, mich mit Wachdienst, Polizei und Angestellten genau absprechen und habe eine ganze Menge an Befugnissen. Zudem sind mir auch noch die Gaben der Beobachtung und der Reflexion gegeben und so hab ich mich entschlossen, ein bißchen über meine Arbeit und über meinen Alltag zu berichten. Niemand braucht Angst zu haben, ich schreibe gewiss nicht über die Anzahl der Mitarbeiter, die morgens zum Dienst erscheint oder über den neuen Anstrich der Nebengebäude. Hin und wieder, das bringt meine Position so mit sich, komme ich nämlich auch ins Gespräch und erfahre eine ganze Reihe von Sachen aus dem Inneren dieses Unternehmens. Sicher, das werde ich auch nicht ausbreiten (dürfen), zur Reflexion aber langt es allemal!

So ist es beispielsweise seltsam, dass sich einige Leute noch nie mit einer Patientenverfügung beschäftigt haben. Immer wieder erzählen mir Besucher, wenn sie denn Zeit für eine Zigarette oder einen Kaffee (den hab ich immer vorrätig) haben, welche Sorgen sich unsere Politiker wegen dieser Verfügungen machen. Da wie jeder weiß unsere Gesellschaft rasant altert, wird es für viele Leute immer wichtiger zu wissen, wie mit ihnen im Falle der Unzurechnungsfähigkeit zu verfahren ist. Wer ins Koma fällt und dort verbleibt, für immer vielleicht, dessen Leben ist scheinbar zu Ende. Wie damit umgehen? Ewig an (teuren) Apparaturen hängen und doch nie wieder aufwachen?

Und was ist der Organspende? Der erst kürzlich bekannt gewordene Skandal um das Geschacher mit Organen war auch bei uns im Haus ein großes Thema und es stellt sich die Frage, wie sich das Problem überhaupt lösen lässt! Ich bin zwar nur ein Pförtner und ich treffe keine Entscheidungen, aber ich bewege mich in einem diesbezüglich sehr aktiven Umfeld. Grund genug also, auch darüber zu berichten und mal ein bißchen den Fokus auf die Gesundheitspolitik unseres Landes zu richten.

Und auch der Name meines Blogs soll dafür Programm sein: Denn eine Evolution muss immer durch ein Tor gehen oder besser springen, um dauerhaft wirksam zu sein! An diesem Tor jedoch, zumindest was die Entwicklung der Gesundheitspolitik angeht, sitze ich, der Pförtner, und ich beobachte die Sprünge meiner Mitmenschen ganz genau.


November 22, 2013

Pflegekräfte Aus Polen?

by JollyJumper
Categories: 24h Pflege
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Seit einiger Zeit dürfen Osteuropäer ohne große Beschränkung in Deutschland arbeiten. Davon profitiert zum Beispiel auch die Pflege- und Haushaltshilfenbranche, denn die Einstellung zum Beispiel eines Polen oder einer Polin ist nun kein großes Problem mehr. Das war noch vor Kurzem ganz anders, die Schwarzarbeit blühte. Warum aber brauchen wir überhaupt Pfleger aus dem Ausland? Haben wir keine eigenen Fachkräfte mehr? Und was ist der Hintergrund dieser Entwicklung?
Es ist schon eine ganz große Binsenweisheit: Unsere Gesellschaft steht vor großen Umbrüchen und es liegt, weil die Politiker mal wieder zu blauäugig oder zu ignorant agieren, bei jedem selbst, darauf zu reagieren. Immer mehr Menschen werden in Rente gehen und sie wollen ihren verdienten Lebensabend dann auch genießen. Doch was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr so kann, wie man will? Wenn sich vielleicht die ersten Anzeichen einer Demenz ankündigen oder wenn einen der Alltag vor immer größere, schließlich kaum noch zu bewältigende Probleme stellt? Manchen Angehörigen ist das dann mehr oder minder egal, sie verfrachten ihre Eltern oft genug gleich ins Heim und damit in die Sterilität des anonymen Sterbens. Klar, Altersheime sind per se keine Hospitze, sie dienen aber manchmal kaum mehr als der Aufbewahrung von als nutzlos empfundenen Menschen.
Kein Wunder also, wenn sich mancher nach einem Lebensabend im eigenen Haus sehnt. In anderen Ländern ist das auch heute noch der Fall und wer sich zum Beispiel in Asien nach Pflegeheimen erkundigt, wird nur ungläubige Blicke ernten. Pflegekräfte aus Osteuropa können da eine wunderbare Alternative zu den hier offerierten (und unbezahlbaren) Diensten sein, vorausgesetzt, man kennt alle rechtlichen Zusammenhänge und ist sich auch über die Kosten im Klaren.

Rechtslage

In früheren Zeiten boomte im Pflegebereich die Schwarzarbeit und sie tut es auch heute noch. Es gibt schließlich immer ein paar Geizkrägen, den Recht und Gesetz und Moral sowieso egal sind und die alles nur am schnöden Mammon ausrichten. Jedoch birgt Schwarzarbeit immer auch eine Reihe von Gefahren, die sich zum Beispiel im Krankheitsfall als unlösbar erweisen können. Seit 2011 nun besteht in der EU einschließlich der jüngeren Beitrittsländer Freizügigkeit, was sich auch und gerade auf den Pflegebereich auswirkt.
Nun ist es möglich, eine 24 Stunden Pflegekraft aus Polen zu engagieren, ohne sich dabei mit großartig komplizierten Hürden auseinandersetzen zu müssen.
Eines aber gleich vornweg: Es ist nicht möglich, eine polnische Pflegekraft zu polnischen Konditionen in Deutschland zu beschäftigen. Das meint die in erster Linie direkte medizinische Betreuung! Kein Pfleger, der nicht zumindest in einem deutschen, ambulant betreuenden Betrieb angestellt ist, darf eine Spritze setzen. Eingriffe und Untersuchungen bleiben ohnehin den Ärzten vorbehalten. Dieses Gesetz bleibt bestehen und so ist es lediglich möglich, eine selbst mit dem polnischen Magister für Pflege ausgestattete Fachkraft als bloße „Haushaltshilfe“ einzustellen. Ich verwende deshalb beide Begriffe, Pflegekraft und Haushaltshilfe, hier als synonym, sie bezeichnen im hier zu besprechenden Kontext das Gleiche.
Freilich wissen wir alle, dass die älteren Leutchen oft genug noch gar keine oder eher unbedeutende Wehwehchen haben, wenn sie ihre ignoranten Kinder ins Heim stecken wollen! Oft können sie einfach nicht mehr richtig laufen und damit Einkaufen, sie haben vielleicht Schwierigkeiten beim Waschen und beim Putzen ihrer Wohnung sowieso. Auch, und das ist nicht selten das Wichtigste, fühlen sich viele Leute im Alter sehr einsam, der Besuch des Pflegers ist da manchmal schon der Höhepunkt eines Tages.
Eine Pflegekraft aus Polen, die 24 Stunden mit im Haushalt des zu Betreuenden wohnt, die dazu deutsch spricht und trotzdem nicht unbezahlbar ist, ist also durchaus sinnvoll und es ist auch kein Wunder, dass der Markt dafür seit 2011 regelrecht zu boomen beginnt. Hier treffen ein respektables Angebot auf eine gewaltige Nachfrage – perfekte Marktwirtschaft also, die dazu ethisch und moralisch begrüßen ist.

Was machen die Polen und zu welchen Konditionen?

Zunächst gilt es festzuhalten, dass die Pflegekraft aus Polen keine Pflegerin im klassischen Sinne sein darf. Ironie des Ganzen: Oft bewerben sich in Polen vorzüglich ausgebildete Fachkräfte für eine eigentlich unter ihrer Qualifikation stehende Tätigkeit als Haushaltshilfe. Sie wissen um den höheren Verdienst, den die vermittelnde Agentur auszuzahlen verpflichtet ist und sie wissen zudem um den sicheren Arbeitsplatz. Gerade aber weil sie so gut ausgebildet sind, beherrschen sie im Notfall und auch auf Sicht alle wichtigen Handgriffe, um schnell helfen zu können und auch, um eine sich vielleicht kritisch entwickelnde Situation beurteilen zu können. Man bekommt also eine Fachkraft für das Gehalt einer 24 – Stunden – Haushaltshilfe! Selbst wenn sich der deutsche Staat und damit die Regierenden an dieser Stelle mal wieder als seltsam borniert erweisen und das Beharren auf der unterschiedlichen Bezeichnung ähnlich grotesk wirkt wie die einstige Umbenennung des Arbeitsamtes in Arbeitsagentur, die Menschen in Deutschland und die Hilfebedürftigen Alten ohnehin profitieren davon.
Der polnische Pfleger wird alles tun, was im Haushalt nötig ist und sich dabei intensiv um die Herausforderungen der zu Betreuenden kümmern. Gerade auch Demenzkranke, die oft nicht mehr ein noch aus wissen, profitieren, denn sie werden überwacht und können trotzdem in den eigenen vier Wänden bleiben. Die Pflegekräfte sind 24 Stunden ansprechbar und in der Nähe.
Dafür nötige Kosten liegen bei etwa 2000 Euro im Monat. Es gibt natürlich billigere wie auch teurere Anbieter und nicht jeder wird den gleichen Service offerien. Man muss also genauer hinsehen und am besten vergleichen.

Da werden Noten vergeben und der Herstellung eines Kontaktes ist sehr einfach und schnell. Noch vor ein paar Jahren war das ganze Prozedere aufgrund der fehlenden rechtlichen Vorschriften ein ziemlich nervenaufreibender Prozess und am Ende stand meistens doch nur die Schwarzarbeit als Ergebnis! Hin und wieder wird auch in Zeitungen offeriert.
Gefällt ein Angebot, gilt es Kontakt mit der Agentur aufzunehmen. Diese ist in der Regel geprüft und verfügt über Erfahrung und ein Team aus motivierten Pflegern und Pflegerinnen. Oft schneiden die Agentur ein Angebot direkt zurecht und passen es an die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Angehörigen an, das ist allemal sympathischer als ein möglicher Discount-Anbieter von der Stange!
Zudem sollte man bei einer sich bewerbenden, freiberuflich – selbständigen Pflegekraft ein wenig Vorsicht walten lassen. Diese ist oft nicht richtig versichert oder gaukelt vielleicht sogar nur etwas vor! Wer eine selbstständige Pflegerin einstellen möchte und keine Agentur wünscht, der sollte immer auch auf den Ausweis der entsprechenden Dokumente achten.

Pflegekräfte aus Polen halte ich für eine feine Sache und mit Sicherheit für ein immer größer werdendes Erfolgsmodell. Und auch wenn sich so mancher Politiker und Superbeamte in meinem Haus hier für diese Richtlinien auf die Schulter klopfen möchte – letztlich geht es doch immer um die Menschen und um ihre Bedürfnisse, auf welche die Politik nur zu reagieren hat.

 



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April 20, 2014